Nachteilsausgleich an Hochschulen

Studierende mit chronischer Erkrankung sollten einen Nachteilsausgleich beantragen

 

Nachteilsausgleiche können von Studierenden mit chronischen Erkrankungen beantragt werden. Sie sollen das Studium erleichtern, damit ein Studienabschluss trotz länger andauernder Erkrankung möglich ist. Den Hochschulen steht dabei ein Ermessen zu, ob und in welcher Form sie einen Ausgleich gewähren. Oftmals werden folgende Erleichterungen zugestanden:

  • zusätzliche Bearbeitungszeit
  • eine alternative Prüfungsform (wobei es spezifische Einschränkungen gibt)
  • Hilfsmittel wie Schreibhilfen
  • spezielle Prüfungsräume
  • und sogar Pausen bei Prüfungen
  • für Studienbewerber eine „Verbesserung“ der Durchschnittsnote 

Rechtlicher Grund für einen Nachteilsausgleich und Ermessen

Mit den Erleichterungen wird den Grundrechten der erkrankten Studierenden Rechnung getragen. So folgt aus Artikel 3 Absatz 1 Grundgesetz in Verbindung mit Artikel 12 Absatz 1 Grundgesetz, dass sie so zu stellen sind, dass sie nicht gegenüber gesunden Studenten benachteiligt werden.

 

Diese Grundrechte sind bei der Auswahl von Nachteilsausgleichen zu berücksichtigen. Konkret passiert dies im Zuge der sogenannten Ermessensausübung. Beim Ermessen handelt es sich um einen Entscheidungsspielraum, der in Übereinstimmung mit den Geboten der Rechtsordnung wahrzunehmen ist. Um zu beurteilen, ob eine konkrete Entscheidung diesen Anforderungen genügt, bedarf es fundierter juristischer Kenntnisse.

Unzureichender Nachteilsausgleich wegen Fehleinschätzung

In einigen Fällen kommt es leider zu Fehlentscheidungen. Immerhin fehlen den zuständigen Bearbeitern meist hinreichende Kenntnisse medizinischer und juristischer Art. Oft bearbeiten keine Volljuristen die Anträge. Zudem fällt es manchmal bereits Ärzten schwer (angefangen bei der Diagnose) eine Krankheit und ihre Auswirkungen treffend einzuschätzen.

 

Aufgrund dieser Defizite gewähren die Hochschulen teils unzureichende Nachteilsausgleiche. In diesem Fall kann gegen die Entscheidung Widerspruch eingelegt und anschließend Klage vor dem zuständigen Verwaltungsgericht erhoben werden.

 

Die Rechtsanwaltskanzlei Holstein in Erfurt berät Sie gerne zu allen Fragen rund um den Nachteilsausgleich, damit Sie Ihr Studium trotz Erkrankung erfolgreich absolvieren können. Hierzu gehören unter anderem der teils notwendige Eilrechtsschutz. Daneben kann es auch hilfreich sein, wenn wir - in Absprache mit den behandelnden Ärzten - Formulierungen in Attesten und ärztlichen Stellungnahmen optimieren.  

Nachweise für einen Nachteilsausgleich

Wenn Sie einen Nachteilsausgleich beantragen, sind möglichst aussagekräftige Nachweise wichtig. Besorgen Sie sich ärztliche Atteste bzw. Stellungnahmen. In diesen sollte idealerweise nicht nur eine Krankheit benannt sein. In ihnen sollte vielmehr zum Ausdruck kommen, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Erkrankung und Einschränkungen im Studium besteht. 

 

Wenn Sie schon länger krank sind, waren sie sicher bei einigen Ärzten. Eine diesbezügliche Übersicht stellen die Krankenkassen aus. Fordern Sie einen sogenannten Leistungsauszug für den Zeitraum der Erkrankung an. Der Leistungsauszug hilft dabei, die Aussagekraft der anderen ärztlichen Dokumente zu erhöhen. 

 

Gerade Anamnesen enthalten viele persönliche Details. Sie wollen aber bei der Beantragung eines Nachteilsausgleichs nicht zu viele intime Details offenbaren? In diesem Fall bietet es sich an, solche Stellen unkenntlich zu machen, wenn Sie die Dokumente für den Antrag kopieren bzw. digitalisieren. 

 

Leider ist für erkrankte Studierende die Stellung eines Nachteilsausgleichs eine zusätzliche Belastung. Der Vorgang kann beispielsweise einem depressiven Studierenden überfordern. Von Seiten der Hochschulen fehlt hierfür leider manchmal ausreichendes Verständnis. Stellen Sie Ihren Antrag trotzdem und lassen Sie sich nicht von der Bürokratie abschrecken. Wir wünschen den Betroffenen aufrichtig viel Kraft und Erfolg!