Hochschulrecht II: Anfechtung von Prüfungsbewertungen

 

1. Bewertung des Inhalts

 

Es obliegt den Prüfern, die Prüfungsaufgaben nach Maßgabe der Prüfungsordnung festzulegen. Sofern sie sich an diese Vorgaben halten, können sie die Inhalte und den Schwierigkeitsgrad frei bestimmen. Die Korrektur der Antworten hat fehlerfrei zu erfolgen. Dazu müssen diese inhaltlich zutreffend erfasst und sodann willkürfrei bewertet werden. Wird eine vertretbare Lösung hingegen als falsch angesehen, dann wird diese Entscheidung einer Überprüfung nicht Stand halten.

 

Abgesehen hiervon fließt insbesondere bei mündlichen Prüfungen in die Bewertung meist auch der persönliche Eindruck von Prüfern ein. Auf Basis von spezifischem Fachwissen werten sie die jeweilige Leistung. Aufgrund ihrer Kompetenz und des Umstandes, dass eine spezifische Prüfung ein einmaliger Vorgang ist, wird den Prüfern ein sogenannter Beurteilungsspielraum zugestanden. Dieser ist gerichtlich nicht überprüfbar. Demnach hat es bloß Sinn, gegen eine Bewertung des Inhalts vorzugehen, wenn vertretbare Auffassungen und folgerichtig begründete Lösungen nicht akzeptiert wurden beziehungsweise die Aussage von Antworten verkannt wurde.

 

Das passiert aus zwei Gründen nicht selten. Diverse Dozenten sehen Korrekturen eher als lästige Pflicht an, die sie von interessanteren Aufgaben abhält. Zudem kann die Beschäftigung mit schlechten Leistungen teils eine Zumutung sein. Von daher wird öfters oberflächlich korrigiert. Daneben werden Korrekturen auch von wissenschaftlichen Mitarbeitern durchgeführt und teils wird nach Stückzahl vergütet. Aus diesen Gründen kommt es immer wieder zu fehlerhaften Bewertungen.

 

Zumeist wird von Seiten der Hochschule auf begründete Einwände eingegangen. In einigen Fällen kann es aber dennoch nötig sein, ein besseres Ergebnis zu erstreiten. Ein Risiko gehen Sie in diesem Fall nicht ein, da es nicht möglich ist, nachträglich eine schlechtere Bewertung vorzunehmen.

 

2. Verfahrensfehler

 

Im Gegensatz zu dem Inhalt der Prüfung ist die Einhaltung der Verfahrensvorschriften in vollem Umfang überprüfbar. Von Verfahrensfehlern wird gesprochen, wenn Vorschriften zu Form, Verfahren und Zuständigkeit missachtet werden. Studenten müssen das Prüfungsamt oder den Prüfern in der Regel bereits vor oder zumindest während der Prüfung auf sie aufmerksam machen. Andernfalls würde es gegen die Chancengleichheit verstoßen, wenn die Möglichkeit bestünde, die Beeinträchtigung vorerst hinzunehmen und sie erst geltend zu machen, wenn das Klausurergebnis nicht wie gewünscht ausfällt. Außerdem bestünde nicht die Möglichkeit, dass im Vorfeld oder während der Prüfung Abhilfe geschaffen werden kann. So wäre es etwa möglich, wegen Lärm, der von Renovierungsarbeiten ausgeht, mehr Schreibzeit zu gewähren. Ein befangener Prüfer könnte ersetzt werden. Unzureichende Angaben zum Zeitpunkt oder Ort der Prüfung können ergänzt werden.

 

Schließlich ist zu beachten, dass nicht jeder Verfahrensfehler beachtlich ist. Nach § 46 VwVfG sind sie nicht relevant, wenn offensichtlich ist, dass sie das Prüfungsergebnis nicht beeinflusst haben. Es bedarf also einer Kausalität zwischen Verfahrensfehler und nicht zufriedenstellender Bewertung.

 

Soweit Verfahrensfehler rechtzeitig geltend gemacht/gerügt wurden und sie einen nachteiligen Einfluss auf die Leistung hatten, kann auf dieser Grundlage eine Wiederholung der Prüfung oder eine wohlwollendere – auf einen Nachteilsausgleich gerichtete – Bewertung gefordert werden.